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Freitag, 27. April 2012

Sebastian Fitzek (Hg.) - P.S. Ich töte dich

"P.S. Ich töte dich" – Und genau darum geht es in den "13 Zehn-Minuten-Thrillern" aus diesem schönen Hardcover, um die Abgründe der menschlichen Seele und Mordabsichten.

Dazu haben neben Herausgeber Sebastian Fitzek zwölf andere Autoren (u.a. Juliane Hoffmann, Markus Heitz und Thomas Thiemeyer) je eine spannende Kurzgeschichte beigetragen. 
Einige verlaufen ganz typisch, die meisten dagegen sind im wahrsten Sinne Thriller, einzigartig und spielen mit Stilen und den Erwartungen des Lesers. Die Auswahl wurde dabei vielfältig getroffen, so dass jeder Text durch seine Eigenheiten zur Geltung kommt.


Um den Lesespaß bei derart kurzen Texthappen nicht zu trüben, soll hier nicht mehr über den Inhalt der Spannungshäppchen verraten werden. 

Natürlich leben diese Mini-Thriller von der Kürze, zu den besonders Gelungenen hätte ich jedoch gerne noch mehr gelesen - die Autoren haben also ihr Ziel erreicht.
Interessant an der Aufmachung ist nicht nur das Farbenspiel, sondern auch die graphologische Probe eines jeden Autors, die seinem Text vorangestellt und im Nachwort um eine Interpretation ergänzt ist. Eine nette Idee.

Kurzweilige Thrillerspannung, nicht nur Einheitskost

Samstag, 10. September 2011

Karl Olsberg - Glanz


Verloren in der virteuellen Welt

Als der 14-jahrige Eric nach einer Überdosis der Droge "Glanz" vor dem Laptop ins Koma fällt, ist seine Mutter Anna verzweifelt. Da die Ärzte keineen Rat wissen, nimmt sie schließlich die Hilfe einer mysteriösen Frau an. Das Unvorstellbare geschieht: Anna kann in die Traumwelt im Kopf ihres Sohnes vordringen, der in einem phantastischen Computerspiel gefangen zu sein scheint. Doch während sie versucht, ihn zurück ans Licht der Wirklichkeit zu führen, verdichten sich die Hinweise, dass Eric das Opfer eines üblen Spiels ist...

"Der erste Thriller, der auch als interaktives E-Book erscheint. Für Kaufer dieses Buches kostenlos." Die Buch/E-Book-Idee an sich finde ich gut, wenn mir auch die stoffliche Variante lieber ist. Für mich müssen Bücher Materie und Seele haben. Im Nachhinein reizt es mich aber schon ein bisschen, da man scheints, wie in den typischen RPG-Fantasy-Büchern der 80er und 90er, je nach Handlung, das Geschehen und Ende mitbestimmen kann. Eine nette Idee.

Das Problem: So liest sich das "richtige" Buch auch teilweise, jedenfalls für mein Empfinden.

Eines vorweg: Ja, das Buch ist spannend, bietet gute Unterhaltung und hat ein paar tolle Ideen.

Aber: Thriller als Genre ist für mein Empfinden ein bisschen weit gegriffen. Denn auch wenn man dem Empfinden des Hauptcharakters Anna folgt und sich Verschwörungstheorien anbahnen, ganz überzeugen kann dieser Handlungsstrang mich nicht. Der Spaß der sich sonst bei Gedankenspielen einstellen will, fehlt irgendwie. 

Ich fühle mich an diverse Fantasy-Romane aus den 80ern und 90ern erinnert, was ebenso gut, wie schlecht ist. Denn ich glaube, das war eigentlich nicht die Absicht dahinter. Und doch sind gerade die Teile des Buches es, die am meisten überzeugen. Das Suchen, sich in einer phantastischen Welt wiederfinden, sich wie beispielsweise in der Unendlichen Geschichte durch Hindernisse und an immer weiteren Wegweisern entlang einem nur halbdeutlichen Ziel entgegen kämpfen. Anna auf ihrem Weg zu begleiten, die aufgetane Welt zu durchstreifen und zu lesen, mit welchen Lebewesen der Autor die Welt gefüllt hat, das ist der größere Reiz des Buches.
Wenn nicht ständig Anna analysieren müsste, was dies und jenes nun bedeuten könnte. Achja. Wenn man sich auf das Konstrukt des Romans voll einlassen will, nun, mag es funktionieren.

Gut unterhaltend, wenig überraschend, mit interessanten Anleihen

Donnerstag, 28. Juli 2011

Douglas Preston & Lincoln Child – Dance Of Death (Dark Secret – Mörderische Jagd)



Two brothers. One a top FBI agent. 
The ohter a brilliant, twisted criminal.

An undying hatred between them.

Now, a perfect crime.

And the ultimate challenge:
Stop me if you can...









Der deutsche Titel kann wie erwartet wieder mit einem pseudoenglischen Titel aufwarten: Dark Secret – Mörderische Jagd. Was die Herausgeber sich dabei denken, bleibt mir stets schleierhaft.

Das Buch selbst ist wie erwartet spannend. Sehr spannend. Es war der erste "Agent Pendergast"-Roman, der mir in die Hände fiel (und dann tragisch sein Buchleben aushauchte). Obwohl der Band eigentlich Teil 2 einer Trilogie ist, kann man ihn ohne Probleme und Vorkenntnisse lesen, da alles wirklich Notwendige aufgegriffen wird. Auch hat es für mich die Spannung des Romans selbst noch verstärkt, weil man ja alles verstehen will, die Anspielungen noch nicht genau einzuordnen weiß.

Der Beginn ist mitreißend und beginnt genretypisch mit einem Todesfall: Ein Student kommt zu spät zu seiner Literaturvorlesung und muss daher weit vorne sitzen. Es geht um ein Langgedicht, dessen Sinn er, unvorbereitet, nicht versteht. Seine Grübeleien werden jedoch jäh unterbrochen, als sein Dozent plötzlich in einen Wahn gerät, sich selbst verletzt und grausam stirbt. 

Es folgen weitere kuriose, Aufsehen erregende Todesfälle, die zunächst nichts gemeinsam zu haben scheinen. Doch waren alle Freunde des totgesagten Agent Pendergast. Freund und Kollege Vincent D'Agosta staunt nicht schlecht, als er einen Brief Pendergasts erhält, der ihn auffordert, ein Verbrechen, ein kriminelles Meisterstück, zu verhindern. Der Täter sei der seit Jahren totgesagte, verschollene Bruder Diogenes Pendergast. Ein Gegner der neben Grausamkeit auch mit einer seinem Bruder ebenbürtigen Scharfsinnigkeit aufwarten kann. Es bleibt nicht viel Zeit...

Zwei mehr als scharfsinnig Kontrahenten, in dem Bestreben, das perfekte Verbrechen zu schaffen bzw. zu verhindern - beide kongenial. Gerissene, unglaubliche Mordmethoden, Manipulation, Intrigen und ein Wettlauf mit der Zeit. Sherlock Holmes trifft auf Professor Moriarty, könnte man sagen. Oder lässt sich hinter dem Ganzen eher ein "Dr Jekyll and Mr Hyde" vermuten? Filmreif inszeniert, nicht ohne Anspielungen und Anleihen, die jedoch nicht plump sondern gekonnt und stimmig wirken. Die Spannungsbögen ziehen den Leser unerbittlich in ihren Bann und lassen ihn auf den Showdown hinfiebern. 

Dass ein zweiter Band einer Trilogie zum Ende hin offene Fäden lässt, ist logisch. Hier aber haben wir einen meisterhaftes Ende, gleichzeitig abschließend, wie auch offen. Toll. Perfekt könnte man sagen. Befindet man sich schließlich in Teil 3 der Trilogie The book of the dead, merkt man erst, wie sehr.

Spannender Actionkrimi um das perfekte Verbrechen

Freitag, 22. Juli 2011

Markus Heitz - Kinder des Judas

Jung sein, schön, gesund – und das bis in alle Ewigkeit: Was sich für viele nach einem Traum anhört, ist für Sia schon vor langer Zeit zum Fluch geworden. Sie sehnt sich nur nach einem: einschlafen und nie wieder aufwachen müssen. Doch das darf sie nicht. Zu groß ist die Schuld, die Sia auf sich geladen hat, zu groß die Verantwortung, die sie gegenüber der Menschheit trägt. Um den Schmerz zu lindern, schreibt Sia in einer langen, einsamen Nacht ihre Geschichte nieder. Sie beginnt 1670 und erzählt von einem kleinen Mädchen, das in die dunklen Machenschaften der »Kinder des Judas« verwickelt wurde, jenes mächtigen Bündnisses von Wissenschaftlern – und Vampiren!


Markus Heitz ist mit seiner Ulldart- und Zwergen-Reihe inzwischen einer der bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren geworden, Dass er dem nun auch Vampirromane hinzufügt hat, fiel zwar mit dem durch die Twilight-Saga verursachten Vampirhype zusammen, liegen in ihrer Planung jedoch deutlich früher. Glaubhaft, wenn man ermisst, wie viel Zeit die ausführliche Recherchearbeit in Anspruch genommen haben muss.

"Meine Vampire haben so gar nichts gemeinsam mit den weichgespülten, überromantisierten Kreaturen, die sich aktuell in den Büchern tummeln. Ich mag die Vampire, wie sie eher im Volksglaube vorkommen: tödlich, brutal, gefährlich. [...] Mich hatte interessiert, woher der Vampirglaube kommt, und da fand ich bald viel Historisches aus dem 18. Jahrhundert, was ich in den Roman einband. Die Leserinnen und Leser sollten sehen, warum unser heutiges Vampirbild vom Osten geprägt ist. Und wie viele verschiedene Facetten es bei Vampiren gibt." Quelle

"Düster-Spannung" nennt Heitz sein Genre, die Romane "Vampirthriller" - Mag das auch marketingstrategische Ursachen haben, sie treffen den Kern und schaffen eine Abgrenzung zu den Teenievampiren.

Die Vampire, die wir in diesem Roman treffen, haben mit der gerade populären Schmusevariante wenig zu tun und jede Spezies hat ihre eigenen Vorlieben, Fähigkeiten, Erscheinungsformen und Schwächen. Und vor allem: Es geht mitunter blutrünstig und hart zur Sache. Manche mögen dem Roman sogar Gewaltorgien vorwerfen, die jedoch keinesfalls unpassend wirken. Erfrischend und glaubwürdig, im derzeitigen Einheitsbrei. Das sind Vampire, wie ich sie mag!

Die Handlung ist mitreißend, die parallelen, geschickt verknüpften, Handlungsstränge, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln, packend und auch die ganze Struktur des Romans lädt zum stundenlagen Lesen ein - oder in meinem Fall: zum Hören. Die ungekürzte Hörbuchfassung ist atmosphärisch und stimmlich passend, angenehm und fasst die Stimmung des Buches sehr gut. 

Vampirthriller mit Blutgarantie

Dienstag, 7. Juni 2011

Scream 4

Sidney Prescott kehrt, auf Lesereise zu ihrem Buch, rechtzeitig zum 15. Jahrestag der Woodsboro-Morde in die Heimat zurück. Sheriff Dewey und Journalistin sowie Cousine Jill und ihre Teenie-Freunde bereiten ihr einen Empfang, der zwischen Herzlichkeit und Starrummel schwankt.
Doch kaum ist Sidney angekommen, beginnt ein neuer Mörder, die früheren Ghostface-Morde nachzuahmen. Sydney gerät nicht nur unter Mordverdacht, sondern muss auch noch um ihr Leben fürchten…

Lang lang ist es her, dass wir uns mit dem ersten Scream nicht nur am Meucheln und Rätseln, sondern auch an Filmverweisen und humoriger Selbst- und Genrereflexion erfreuen konnten. Ein Film, der einfach nicht zu schlagen ist.

Scre4m ist wie ein neuer Anfang und ein gelungener „zweiter Teil“ zugleich. Er greift die Elemente und Erfolgsgaranten seines Vorgängers auf – damit bringt er nichts bahnbrechend Neues, setzt dies aber gut um. Denn irgendwie hat sich alles verändert und ist doch alles gleich. Kenner der Reihe werden sich sofort wie zu hause fühlen, Neulinge werden nicht überfordert. „Leg dich nie mit dem Original an“ lässt der Autor seine Heldin sagen. Wie gut, dass er das auch nicht will.

Und was bekommen wir im „zweiten Teil“ zu sehen? Mehr Blut, mehr Medien, mehr… Ja. Und einen der tollsten Filmanfänge. Irritierend, gut gelungen und sehr unterhaltsam.

Denn mal ehrlich, was sollen wir sehen? Sich unsinnig verhaltende Teenies, die abgeschlachtet werden. Und affektierte Zicken, die bekommen, was sie verdienen, oder?

Eine gelungene Fortsetzung, die an den unerreichbaren ersten Scream nicht übertreffen kann, aber das Genre hoffentlich neu belebt.

Montag, 30. Mai 2011

Douglas Preston & Lincoln Child – Cemetery Dance (Cult – Spiel der Toten)

FBI Special Agent Aloysius Pendergast - recently returned to New York - and Lieutenant Vincent D'Agosta find themselves investigating the murder of a friend when reporter William Smithback and his wife Nora are brutally attacked in their apartment. The assailant is identified by eyewitnesses as their strange, sinister neighbour - a man who, by all accounts, died ten days earlier.
Shunnung the official inquiry, Pendergast and D'Agosta undertake their own private - and unorthodox - quest for the truth. Their journey takes them deep into the dark an mysterious underbelly of Manhattan, to a secretive, reclusive cult of Obeah and voodoo which no outsiders have ever survived...


Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta ermitteln abseits der offiziellen Pfade. Was sollte man auch anderes von ihnen erwarten? Fern der bürokratischen Pfade läuft der Sherlock Holmes gleiche Pendergast schließlich zu Höchstform auf.

Um nicht zu viel  vorweg zu nehmen:  Spannend, aufregend, actionreich, mysteriös und – wie der erfahrene Thrillerleser es gerne hat – mit Wendungen. Sind die, die am Schuldigsten aussehen, es deswegen  - oder eben gerade nicht – gewesen? Welche Ereignisse hängen mit was zusammen? Und wer kann ein Interesse an den merkwürdigen Vorfällen haben? Wer hält die Fäden in der Hand? Wie immer eine gute Frage. Das Was, Wie und Wer wird jederzeit gekonnt in Szene gesetzt. Manchmal fast schon filmisch.

Die Kapitel sind in einer angenehmen Mischung aus Cliffhangern und Abschließenden gegliedert, das Tempo nimmt zum Ende hin deutlich zu. Hat man einen bestimmten Punkt einmal überschritten, ist es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.
 
Das Englisch gut verständlich und/oder erschließbar, von rein wissenschaftlichen Termini einmal abgesehen. Aber auch fort findet man sich schnell ein.

Auch wenn der im deutschen als „Cult – Spiel der Toten“ erschienene Thriller nicht der erste der „Pendergast“-Romane Preston & Childs ist, ist er doch der erste, der mich (als Original) angesprungen hat. Wie kann man da wiederstehen? 

Soweit ich mich inzwischen über die „Reihe“ informiert habe, tut die Reihenfolge (außer bei direkten Sequels) dem Lesegenuss aber auch keinen Abbruch. Mich persönlich haben die Andeutungen, was frühere Geschehnisse angeht, nur noch neugieriger gemacht und ich verschlinge bereits den nächsten...

Sonntag, 1. Mai 2011

Sanctum

Der 17-jährige Bubi Josh McGuire hat die Nase voll vom Entdeckergeist seines Vaters, dessen Forschungsprojekt es ist, die größte, unzugänglichste und bisher unerforschte Höhle der Erde zu erforschen. Ein wahres Mammutprojekt. Alles scheint nach Plan zu laufen, bis ein Hurrikan über das Land herreinbricht und die Höhle droht, geflutet zu werden. Abgeschnitten von Hilfe und weiterer Ausrüstung beginnt ein Überlebenskampf...


"James Cameron’s Sanctum ist ein 3D-Action-Thriller" behauptet der Film von sich. Nun, ganz so weit würde ich in der Begrifflichkeit nicht gehen. Jedenfalls nicht, wenn man sich auf die konventionelle Bezeichnung von "Action" und "Thriller" bezieht. Ich weiß nicht, wie ich es genannt hätte. Action-Drama vielleicht? Auch wenn es den Inhalt vielleicht besser trifft, es klingt nicht gut.

Und gut ist der Film, es sei denn, man geht mit falschen Erwartungen an ihn heran. Ich habe ihn mir ganz unvoreingenommen angeschaut und ich muss sagen, dass es sicherlich der einzige Film dieser Kategorie ist, für den es sich nicht verkehrt anfühlte, ins Kino gegangen zu sein. 

Auch oder gerade in 3D. Denn was der Film in landläufig gefasster Action nicht bietet, übertrifft er durch Setting, Bilder und Bildsprache. Endlich einmal kein Nur-Effekte-3D-Film, sondern einer, der eine Stimmung und Spannung, eine Welt mit beeindruckender naturkulisse um den Zuschauer aufbaut.

Die Handlung will nicht gezwungen überraschen, wird den Eingeschlossenen, ums Überleben Kämpfenden doch alles abverlangt - und darüber hinaus. Was ist wichtiger, Überleben oder Stolz und Moral?

"Du kannst es, weil du es musst".

Montag, 11. April 2011

Unknown Identity


Zum Abschluss eines mehr als ausgefüllten Wochenendes waren der Liebste und ich im Kino. Der Trailer hatte uns auf Empfehlung eines Arbeitskollegen des Liebsten schon neugierig gemacht.




Und da bei einem Thriller zu spoilern ganz böse ist, sei hier auch nicht mehr verraten.

Der Film bietet neben einer guten Besetzung (u.s. Liam Neeson und Diane Kruger) mit überzeugender Schauspielleistung eine mitreißende, spannende und überraschende Story. Ok, ab einem gewissen Punkt hat der Thrillererfahrene eine Ahnung, aber trotzdem macht der Film jede Menge Spaß. Die Musik ist passend, wenn auch  nicht besonders einprägsam. Das fällt bei einem derartigen Film aber auch nicht negativ ins Gewicht.

Aus deutscher Perspektive besonders interessant: Schauplatz ist Berlin – und zwar durchgängig. Das hat man ja in Hollywood-Filmen eher weniger.  Gut und in allen Facetten genutzt, so sollte es sein. Von Nachtclubs und den schönen Seiten der Hauptstadt, bis hin zu Wohnungen im 70er-Jahre oder
Pappwand-Design ist alles dabei. 

Für mich war auch der nette Ex-StaSti-Mitarbeiter einer der Höhepunkte des Films.

Ein guter Thriller mit guter Besetzung und ein paar (passenden) Allgemeinplätzen.

Montag, 4. April 2011

Buchopfer


Heute habe ich mein erstes Buch wahrhaftig beerdigt. Das arme kleine Ding. Erst angelesen, quasi am Beginn seines spannenden Lebens. Nicht verkauft, verschenkt, auf dem Dachboden verstaut oder sein Wesen der Allgemeinheit zugeführt (Papiertonne), nein, ich habe es dem sinnlosen Tod überantwortet. Restmüll.

Und das kam so:
Salat ist lecker. Das ist nicht nur ein Vorurteil, sondern stimmt bei der richtigen Mischung sogar. Für ein wochenendliches Juggesellenabschiedseinleitungsgrillen (Ich: krank im Bett) wurde eine leckere und farbenfrohe Mischung aus Tomate, Gurke, Feta und Thunfisch gezaubert. Lecker wie immer. So auch die Reste, die wir uns am Sonntag schmecken ließen. Ein Schälchen überlebte den letzen Angriff und floh sich mit dem Schatzi zur Arbeit – Nachtschicht – um dort verspeist zu werden. Wie es erneut ein kleiner – und laut Aussage des Schatzis noch absolut gesunder – Rest auch noch wieder nach Hause schaffen  konnte, wissen nur die Salatgötter. Doch bevor mein letzter Angriff auf die versprengten Reste beginnen konnte, kam es ganz anders.

Bei einem Kontrollblick in meine Tasche dann das Erwachen… Angemerkt sei, dass ich ganz frauenuntypisch gar keine Taschen mag. Aber wie zur Hölle soll man in einer Hose ohne Taschen (Danke oh Modeindustrie) nicht  nur Portmonee, Handy, Schlüssel, sondern auch Buch und Essen unterbekommen? Genau. Gar nicht. 

Der Wiederstadssalat jedenfalls machte sich einen Scherz daraus und entfloh seinem Behältnis. Doch das mutige Büchlein, obschon der deutschen Sprache nicht mächtig, stürzte sich todesmutig den Fluten entgegen und bewahrte nicht nur Notizbuch und Handy vor dem Gemüseangriff. Auf den ersten Blick schien mir alles klar: Schatz musste wohl den Deckel nicht richtig geschlossen haben. Oder? 

Ein paar Minuten später hörte ich sich den Deckel erneut mit einem offensiven „Plopp“ meiner Anweisung wiedersetzen. Und nun durchdrang es auch meine verschnupfte und bis dato geruchsunempfindliche Nase: In meiner Tasche schien mindestens ein totes Tier verendet zu sein. Vielleicht noch mit ein paar Tage Sonne obendrauf. Jedenfalls roch es so, pfui! 

Flugs die restlichen Überlebenden aus der Tasche geborgen und das kleine zum Mülleimer begleitet. Tapferes Ding. 

Ich glaube, so etwas habe ich meinen Lebtag noch nicht gerochen. Was bin ich froh, dass mich auf dem Heimweg, Tascheninhalt in der Linken, Tasche in der Rechten, keiner skeptisch angesehen hat. Obwohl, wieso eigentlich nicht?

Mr. Amazon wird die Tage ein Neues (wenn auch leider in neuem Gewandt) bringen, nebst einem älteren Bruder. Danke Schatz. Aber was mache ich solange, wo ich doch mitten in der Handlung feststecke, na?


Freitag, 25. März 2011

Sebastian Fitzek – Splitter

-Was, wenn wir die schlimmsten Erlebnisse unseres Lebens für immer aus unserem Gedächtnis löschen könnten? Und was, wenn etwas dabei schief geht?-

Viel stärker als der Splitter, der sich in seinen Kopf gebohrt hat, schmerzt Marc Lucas die seelische Wunde seines selbst verschuldeten Autounfalls - denn seine Frau hat nicht überlebt. Als Marc von einem psychiatrischen Experiment hört, das ihn von dieser quälenden Erinnerung befreien könnte, schöpft er Hoffnung. Doch nach den ersten Tests beginnt der blanke Horror: Marcs Wohnungsschlüssel passt nicht mehr. Ein fremder Name steht am Klingelschild. Und als sich die Tür von innen öffnet, schaut Marc seinem größten Albtraum ins Gesicht ...


Was macht einen Menschen aus, wenn nicht all seine Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle? Marc Lucas jedoch wäre froh, wenn er zumindest einen Teil davon für immer loswerden könnte, sind einige davon doch zu schmerzhaft, um damit weiterleben zu wollen. 
Denn bei einem vom ihm verschuldeten Autounfall starben seine Frau und sein ungeborenes Kind. Aber leben will er – was also mit den traumatischen Erinnerungen anstellen? Haben wir allle und nicht schon einmal zumindest für einen Augenblck gewünscht, ungeliebte Gedanken einfach läschen zu können? Da verspricht eine Zeitungsanzeige das Unglaubliche: 
Einen noch in der Forschung befindliche Methode soll es möglich machen, Erinnerungen einfach  zu löschen. Danach wäre ein nomales, neues Leben möglich. Marc informiert sich, kann sich aber schließlich doch nicht zu dem Eingriff durchringen. Doch als er unverrichteter Dinge die Klinik wieder verlässt, ist alles anders. Keiner scheint ihn zu kennen. Arbeit, Wohnung, Umfeld, alles scheint wie verwischt.

Der Auftakt ist gewohnt rasant und „mitten hinein“ – genau so, wie man von einem Thriller gerne in die Handlung gezogen werden möchte. Anspielungen, mit denen der Leser noch nichts anfangen kann, schüren die Neugier und die Sucht, die Ungereimtheiten aufzudecken.

Interessant auch, die Anspielungen auf andere Thriller Fitzeks. Den Nichtkenner entgeht nichts Wesentliches, dem Kenner jedoch entlocken sie zumindest ein Nicken. Oder…

„Der Zweck heiligt die Mittel“ ist ein Leitspruch, der ihn durch sein ganzes Leben begleitet hat. Und auch den Leser wird er begleiten, wenn auch anders, als er denkt. Bis zum Ende. Marc Lucas begibt sich vom Leser begleitet auf die Suche nach der Wahrheit (?). 
Fitzektypisch gibt es viele überraschende Wendungen, interessante Ideen, Verwicklungen, Intrigen, Verfolgungen – eben das, was das Herz des Thrillerlesers begehrt. Auch wenn manchmal ein richtiger Verdacht und ein Wiedererkennen aus dem ein oder anderen Hollywood-Blockbuster vor dem inneren Auge des Lesers auftaucht, tut es dem Lesevergnügen und der Suche nach Aufklärung keinen Abbruch. 
Im Gegenteil. Denn auch hier ist (wie in allen guten Fitzeks) die Frage: Was ist Einbildung? Was ist Wirklichkeit? 
Dieses Verschwimmen habe ich schon an Die Therapie geliebt. Splitter ist für mich von den bisher gelesenen 5 Thrillern Fitzeks meine Nummer 2, direkt vor Amokspiel.

Montag, 21. Februar 2011

Sebastian Fitzek – Amokspiel


Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem grauenhaften Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makaberes Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit mehreren Monaten tot. Ira beginnt mit der aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören ... 


 
Sebastian Fitzek ist ein Meister darin, den Leser in den Bann seiner Thriller zu ziehen. Bereits der erste Satz sitzt treffsicher und katapultiert den Leser mitten in die Handlung: 

„Der Anruf, der sein Leben zerstörte, erreichte ihn exakt um 18.49 Uhr.“

– Und damit hinein in einen Teufelskreis aus Neu-Gier und Spannung. Genau so, wie ein guter (Psycho)Thriller eben sein muss. 

Dass Hauptcharaktere und Kriminalbeamte in vielen modernen Krimis/Thrillern, teils im krassen Gegensatz zu ihrem öffentlichen Auftreten, kaputte, labile und den Schatten ihrer Vergangenheit geplagte Menschen sind, ist nichts Neues mehr. Bei der Kriminalpsychologin Ira Samin geht Fitzek sogar noch einen Schritt weiter, denn „Amokspiel“ beginnt damit, wie sie ihren Selbstmord plant. Schonungslos wird ihr Fatalismus ausgebreitet. Denn den Selbstmord ihrer ältesten Tochter hat Ira nie verkraftet und ist letztendlich an Schuldgefühlen und Selbstzweifeln darüber zerbrochen und innerlich tot.

Ebenso wie der Leser durch gekonnt gesponnene Verwicklungen, Wendungen und sogar filmreife Actionpassagen vom Weglegen des Buches abgehalten wird, wird auch Ira von ihrem eigentlichen Vorhaben abgebracht. Denn der Geiselnehmer will nur mit ihr allein verhandeln und so wird die eigentlich dienstuntaugliche Kriminalpsychologin von Kollegen zwangsreaktiviert. Dabei wollte sie eigentlich nur noch eine letzte Cola Light Lemon Trinken.
Sinnbildlich durchzieht diese eine Cola Light Lemon, mit der sie während aller Erlebnisse unverändert den endgültigen Schlussstrich unter ihr Leben ziehen will, den ganzen Roman. Manch einer mag das als lächerlich oder störend empfinden, ich finde es passend und psychologisch glaubhaft. Mehr Handlung sei nun aber allein schon aus Spannungsgründen nicht verraten. 

Mitreißend ist vor allem, wie das Seelenleben des Geiselnehmers und Iras gleichermaßen offengelegt werden – und das glaubhaft, authentisch, drastisch und nah. Die Quid pro Quo-Situation der beiden Verhandlungspartner entfaltet neben der äußeren Handlung seine ganz eigene Dynamik. Ein Schlagabtausch von Emotionen, vermeintlich falschen und richtigen Fährten sind wie bei „Die Therapie“ ein unschlagbares Erfolgsrezept. Denn (mal wieder – und wie erhofft) ist alles ganz anders, als es scheint.

Die Kapitel sind relativ kurz, was ebenso gut wie verhängnisvoll ist. Denn immer fesseln neue Wendungen und man vertröstet sich selbst mehr als einmal mit dem bekannten „nur ein kurzes Kapitel noch“…

Freitag, 11. Februar 2011

Sebastian Fitzek – Die Therapie


Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche. Josy, die 12-jährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt. Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus auf einer kleinen Insel zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von schizophrenen Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Haben ihre Halluzinationen etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun? Viktor beginnt mit der Therapie der geheimnisvollen Unbekannten, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …


Die zwölfjährige Josy leidet unter stärker werden Schüben einer Krankheit, die kein Arzt zu diagnostizieren weiß. Ihr Vater, der Star-Psychiater Dr. Viktor Larenz, versucht alles, um ihr zu helfen, verkauft seine Praxis und sucht mit ihr einen Arzt nach dem anderen auf. Ohne Befund. Schließlich landen sie bei Dr. Grohlke, Larenz wartet im Wartezimmer auf Josy - doch plötzlich ist sie verschwunden und für ihn beginnt ein regelrechter Albtraum. Denn mysteriöser Weise gibt es keinen Anhaltspunkt über ihren Verbleib, weder Sprechstundenhilfe noch Dr. Grohlke selbst wollen das Mädchen überhaupt gesehen haben, kein Entführer meldet sich. Sie bleibt verschwunden.

Vier Jahre später zieht sich Larenz auf die Insel Parkum zurück, um sich durch die Fragen eines Interviews zu kämpfen und damit gleichzeitig die letzten vier Jahre seit dem Verschwinden seiner Tochter aufzuarbeiten. Er fühlt sich innerlich tot, die Ungewissheit nagt an ihm. Da steht plötzlich eine unbekannte Frau vor seiner Tür und will von ihm therapiert werden. Sein Interesse wird geweckt, als sie von ihren Wahnvorstellungen berichtet. Von einem jungen Mädchen, das seiner Tochter ähnelt. Mehr als ähnelt. Zu viele Äußerungen sind verdächtig und so besinnt er, nachzuforschen…

Die Geschichte hat ein sehr hohe Erzähltempo, ist mitreißend und spannend. Und immer wieder überraschend. So oft, dass man es kaum glaubt. Ich habe nur eine (!) Lesepause am Anfang des Romans hinbekommen. Danach hatte es mich so in seinen Krallen, dass ich einfach weiterlesen musste. Mehr Hinweise. Mehr Fragen. Die Neugier wird dermaßen angestachelt, ich hatte keine Chance ;-)

Die 330 Seiten bieten in  60 Kapiteln wahnsinnig gute Unterhaltung. Wo einem sonst das Kapitel einen passenden Punkt zur Pause bietet, ist es hier genau das Gegenteil: Spannungsgeladener Cliffhanger.
Die Spannendste Frage ist nicht, auch wenn der Klappentext es vermuten lässt, was mit Larenz` Tochter geschehen ist. Es geht um Fiktion und Realität, Wahrheit und Wahrnehmung.

Die Ebenen der Geschichte wechseln gekonnt. Fühlt sich der Leser zunächst wie die Begleitung des von Dr. Roth, dem Larenz seine Geschichte erzählt, wechselt doch zunehmend die Perspektive. Denn der Erzähler lässt, nur hier und da, dem Leser etwas mehr Wissen zukommen, als seinem Protagonisten. Misstrauen und Verwunderung regt sich und man stellt Vermutung über Vermutung auf, die sich mit jedem Weiterlesen wandeln, auflösen, verwirren. Bald ist man ebenso auf der Suche nach Antworten, wie der verzweifelte, von einer Erkältung geplagte Larenz. 

Die Auflösung gibt sich wie das Schälen einer Zwiebel. Schichtweise, schmerzhaft und überraschend. Bis zum Kern.

Brillant und äußerst empfehlenswert. Grandios konstruiert. Absolut unvorhersehbar.