Montag, 21. Februar 2011

Sebastian Fitzek – Amokspiel


Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem grauenhaften Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makaberes Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit mehreren Monaten tot. Ira beginnt mit der aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören ... 


 
Sebastian Fitzek ist ein Meister darin, den Leser in den Bann seiner Thriller zu ziehen. Bereits der erste Satz sitzt treffsicher und katapultiert den Leser mitten in die Handlung: 

„Der Anruf, der sein Leben zerstörte, erreichte ihn exakt um 18.49 Uhr.“

– Und damit hinein in einen Teufelskreis aus Neu-Gier und Spannung. Genau so, wie ein guter (Psycho)Thriller eben sein muss. 

Dass Hauptcharaktere und Kriminalbeamte in vielen modernen Krimis/Thrillern, teils im krassen Gegensatz zu ihrem öffentlichen Auftreten, kaputte, labile und den Schatten ihrer Vergangenheit geplagte Menschen sind, ist nichts Neues mehr. Bei der Kriminalpsychologin Ira Samin geht Fitzek sogar noch einen Schritt weiter, denn „Amokspiel“ beginnt damit, wie sie ihren Selbstmord plant. Schonungslos wird ihr Fatalismus ausgebreitet. Denn den Selbstmord ihrer ältesten Tochter hat Ira nie verkraftet und ist letztendlich an Schuldgefühlen und Selbstzweifeln darüber zerbrochen und innerlich tot.

Ebenso wie der Leser durch gekonnt gesponnene Verwicklungen, Wendungen und sogar filmreife Actionpassagen vom Weglegen des Buches abgehalten wird, wird auch Ira von ihrem eigentlichen Vorhaben abgebracht. Denn der Geiselnehmer will nur mit ihr allein verhandeln und so wird die eigentlich dienstuntaugliche Kriminalpsychologin von Kollegen zwangsreaktiviert. Dabei wollte sie eigentlich nur noch eine letzte Cola Light Lemon Trinken.
Sinnbildlich durchzieht diese eine Cola Light Lemon, mit der sie während aller Erlebnisse unverändert den endgültigen Schlussstrich unter ihr Leben ziehen will, den ganzen Roman. Manch einer mag das als lächerlich oder störend empfinden, ich finde es passend und psychologisch glaubhaft. Mehr Handlung sei nun aber allein schon aus Spannungsgründen nicht verraten. 

Mitreißend ist vor allem, wie das Seelenleben des Geiselnehmers und Iras gleichermaßen offengelegt werden – und das glaubhaft, authentisch, drastisch und nah. Die Quid pro Quo-Situation der beiden Verhandlungspartner entfaltet neben der äußeren Handlung seine ganz eigene Dynamik. Ein Schlagabtausch von Emotionen, vermeintlich falschen und richtigen Fährten sind wie bei „Die Therapie“ ein unschlagbares Erfolgsrezept. Denn (mal wieder – und wie erhofft) ist alles ganz anders, als es scheint.

Die Kapitel sind relativ kurz, was ebenso gut wie verhängnisvoll ist. Denn immer fesseln neue Wendungen und man vertröstet sich selbst mehr als einmal mit dem bekannten „nur ein kurzes Kapitel noch“…

Kommentare:

  1. Klingt natürlich wie immer gut. Gibt es überhaupt ein Buch von Fitzek das NICHT gut ist?! *grins*

    Mir kam jetzt wieder ein Buch dazwischen. Gerade eben bestellt. Herr Fitzek, ich komme aber auf Sie zurück.. *hmpf*

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  2. Hab ich schon irgendwo erwähnt, das ich kaum Bücher lese? Ich glaub ja... ^^ Ich schlaf immer viel zu schnell dabei ein... Und es kostet sooo viel Zeit zu lesen... ^^

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  3. @ Merle
    Und das Buch IST auch wieder gut ;-) In der Tat habe ich noch kein schlechtes von Fitzek gelesen.
    Je mehr Bücher ich aber von ihm lese, finde ich wenigstens verschiedene Abstufungen von gut.

    @ Mr. Elch
    Möglich, aber schön, dass du trotzdem mal hier reingelesen hast ^^
    Manche gibt es übrigens auch als Hörbücher, wenn das eher von Interesse ist.

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  4. Ich lese eigentlich nicht mehr so viele Romane (eher alles andere), aber deine toll geschriebenen Rezensionen schaffen es immer wieder, mir Lust auf diese Bücher zu machen. ;)

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  5. @Citara: Hörbücher sind in der Tat besser für mich... ^^ Die machen den Weg zur Arbeit erträglicher... Wobei, wenn man um halb eins nachts allein auf einer langen geraden Straße nach Hause dümpelt, ist auch nicht grad jedes Hörbuch geeignet... ^^

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  6. Da werde ich wohl mal wieder in die Bibliothek müssen. Danke für die Rezension.
    Ich lese derzeit John Connollys "Das Buch der verlorenen Dinge", das dir, so wie ich dich inzwischen einschätzen gelernt habe, bestimmt auch gefiele.

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  7. @ Anna
    Ich tu` mein Bestes ;)

    @ Mr. Elch
    Da wäre was thrillerartiges ja genau das Richtige!

    @ Träger des Lichts
    Jetzt hast du mich neugierig gemacht *ab damit auf die Leseliste*

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  8. Irgendwie hast du alles von Fitzek gelesen, was ich noch nicht gelesen habe. Iiiiiinteressant. Wobei - ich höre die Bücher ja. Stecke gerade mitten in Gerritsens Reihe von Rizzoli und Isles. Soo spannend! Hast du von Fitzek schon "Das Kind" gelesen? Ich hatte das als Hörspiel, das war klasse!

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