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Sonntag, 22. April 2012

Vom Schätzen und Wissen

Liebe empfindungsfähigen Mitlebenwesen,

es ist allgemein bekannt, dass die Spezies Mensch vernunftbegabt ist. Wir sind die Krone der Schöpfung, wir sind zu brillianten Denkleistungen fähig und machen uns das Universum untertan. Doch ich gebe zu, manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das, was manch Individuum an geistiger Größe erwirbt, den kollektiven Massen abgezogen wird. Exponentiell.

Liebe autofahrenden Mitmenschen,

ihr seid im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis und habt damit nicht nur die erforderlichen Prüfungen abgeschlossen, sondern seid, da offenbar noch am Leben, auch nicht völlig dem Wahnsinn anheim gefallen. Ein gewisses Maß an so genanntem Menschenverstand muss also noch vorhanden sein. Daher möchte ich euch nur ganz dezent erinnern:

Ihr müsst mit einem handelsüblich beanhängerten Auto nicht in der Straßenmitte fahren, das passt.
Ihr müsst in der Ortschaft nicht durchweg 30 fahren. Sonst fühlen sich die 30-Schilder ungebraucht und einsam.
Ihr müsst euch nicht vor Ampeln fürchten und euch nur in Schrittgeschwindigkeit nähern, das freundliche Gerät beißt nicht und ist äußerst kommunikativ, sogar dreifarbig.
Ihr müsst nicht mehr als einen Kilometer vor einer Kurve bremsen, euer Auto braucht seinen Auslauf.
Ihr dürft auch blinken, wenn ihr spontan die Spur wechselt. Missachtet nicht den Fahrtrichtungsanzeiger eures Gefährts, auch er hat Gefühle.

Natürlich habe ich vollstes Verständnis, dass ihr das Freiheitsbedürfnis eures Automobils mitunter missinterpretiert. Die Kommunikation von Mensch und Maschine war schon immer von besonderen Spannungen geprägt. 

Wie gut, dass das von Mensch zu Mensch ganz anders ist.

Sonntag, 7. August 2011

Fehlersuche


Schön, wenn Bild und Text den selben Inhalt (den ich, so er der Wahrheit entspricht, ziemlich cool finde!) kommunizieren - oder eben nicht. Deren Quelle ließt sich da deutlich besser.

Wenn alle Redaktionen so arbeiten und "Nachrichten" auf die Art zusammengebaut werden, na dann Prost Mahlzeit...

Donnerstag, 5. Mai 2011

Geschnatter


Bin ich nun alt, uncool oder gar verbiestert und intolerant, wenn ich am sehr kommunikativen Wesen pubertierender, insbesondere weiblicher, Wesen in signifikant lauter und schriller Tonlage, insbesondere zur morgendlichen Stunde, Anstoß nehme?

Wenn ich eigentlich während der Zugfahrt nur vor mich hindösen, wenn nicht gar schlafen,  möchte und mich

"Und dann hat er..." *Kicher* "Und dann hat sie..." *Kreisch* *Schnatter*

nicht ein bisschen interessiert, sondern es mir lieber wäre, die beiden Leopardenlookbehemden, reichlich Geschminkten, dafür umso weniger Gekämmten  unterhielten sich über ein schlaffreundliches, vorzugsweise unbekreischbares Thema, wie etwas das Freizeitverhalten von Regenwürmern, vorzugsweise in Sielmann-Singsang?

Bin ich technikfeindlich, wenn ich den am verminderten Laufgeräusch moderner Züge Anstoß nehme, weil ich nicht mehr sanft in den Schlummer gewiegt werde, sondern sich statt dessen die Hintergrundgeräusche á la penetrantes Kaugummigeploppe direkt neben meinem Ohr in meine Synapsen brennt?

Bin ich nicht sogar schon richtig alt, wenn ich beim "Früher war alles besser"-Poker zwar (noch) kaum Krankheitstrümpfe ausspielen kann, dafür aber der "Die heutige Jugend"-Pool schon reichlich gefüllt ist?

Nun weiß ich, wie sehr man sich wirklich "Hätt` ich nur ein Luftgewehr" *summ* wünschen kann. Das hilft bestimmt nicht nur gegen Udo Lohmeier ;)

Dienstag, 3. Mai 2011

Gedächtnismanipulation

Jeder hat irgendwo auch der Erde einen Zwilling, sagt man ja. Blöd, wenn der Zwilling eines Bekannten scheinbar in der selben Gegend wohnt und mir über den Weg laufen muss.

Ich grüße ihn freundlich - ein mich irritierender irritierter Blick folgt.

"Kennen wir uns?"

Langsam beschleichen mich Zweifel, obwohl ich hundertprozentig überzeugt bin, dass er ER ist.

"Nicht?"

Beim folgenden Kopfschütteln bin ich bereits dabei, im Boden zu versinken. Praktisch, auch dort soll`s ja sehr schön sein.

Oder war er es doch selbst und entweder ich wurde von fiesen multidimelnionalen Schmetterlingsäpfeln zu anderem Aussehen mutiert, oder er von Außerirdischen einer Gedächtnismanipulation unterzogen?

Donnerstag, 7. April 2011

Luxusproblem

Wahrlich, wir leben in dem Land, dem Milch und Honig fließt und quasi die Straßen überschwemmt. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich gar Schüler mit der früh morgendlichen und quälenden Arbeit des Zeitungsaustragens abmühen müssen, sich auf schwer beladenen Fahrrädern abstrampeln, ihre Routen planen und manchmal sogar nett grüßen. Vorbei die Tage, an denen man mit Gewissheit sagen konnte, meine Zeitung würde mit Schweiß und Plag Liebe und großer Sorgfalt von einem Menschen meiner Zeitungsbox übergeben, der sich über die verdienten €uros freut, für den die vielleicht sogar eine Bedeutung haben.

Heute morgen: Ich sehe en Auto am Straßenrand halten, der Motor läuft. Der Fahrer, ein Guildo-Horn-Verschnitt, dessen ausgefledderte Trainingshose zumindest sichtbar mehr Gips hat, als ihr Träger, steigt aus. Die Tür bleibt offen, so, wie auch der Motor weiterläuft. In seinen Händen eine Zeitung, die er in den nächstbesten Briefkasten steckt. Vom Beifahrersitz aus reicht ihm irgendetwas Weibliches eine (!) weitere. Er geht um ein Haus, kehrt zum Auto zurück. Das murrt schon merklich einsam vor sich hin.

„Schau doch mal nach, welcher von denen die bekommt!“, höre ich ihn rufen.

Das Auto murrt, die Frau auch.

Das weitere Schauspiel schaue ich mir nicht an, kann mir aber lebhaft vorstellen, wie es weitergeht. Was bitte denken sich solche Menschen? Mal vom Klimaaspekt gar nicht zu reden, aber praktisch ist so etwas doch nun wirklich nicht. Und es ist ja nicht so, dass wir im Schnee und Minusgraden versinken würde – wogegen uns realistisch gesehen auch kein Auto helfen würde, aber das nur am Rande.

Wirft Zeitungaustragen neuerdings so viel ab, dass man sich dabei Massen an Benzin und einen Handlanger leisten kann?

Irgendetwas muss ich verpasst haben…